Amazon als Bezahlsystem im eigenen Shop??
Geschrieben von: Martin Wehrle Donnerstag, den 19. Mai 2011 um 09:27 Uhr
News (öffentlich) - Werbeagentur-Leistungen der IRMS-Medienabteilung
Einkaufen ist ein positiver Vorgang. Man bekommt etwas. Nur das Bezahlen ist negativ. Man erleidet einen "Verlust". Bezahlen stellt somit eine der größten Hürden bei jedem Einkauf dar. Jeder Shopbesitzer weiß, dass auf der Zielgeraden, der Kasse, unzählige potentielle Kunden verloren gehen. So kann man auch beobachten dass bei der Möglichkeit eines Rechnungskaufs (die weithin sicherste Zahlungsmöglichkeit), je nach Sortiment, bis zu 20% mehr Umsatz generiert werden können. Amazon bietet nun Shopbetreibern die Möglichkeit Amazon Check-Out als Zahloption einzubinden. Eine interessante Idee. Hat doch fast jeder deutsche Internet-Nutzer schon mal bei Amazon eingekauft und somit einen Zugang. Bezahlen quasie per 1-klick, ohne all zulange darüber nachzudenken.
Was spricht dagegen?? Bei Amazon einzukaufen ist zugegebenermaßen recht bequem. Man findet fast alles und hat vor allem ein sicheres Gefühl beim Gang zur Kasse. Klick und das war's! Keine Kreditkartennummern auf unbekannten Seiten eingeben. Dass Amazon neben seinen eigenem Händlern nun auch Shopbetreibern diese Zahlungsabwicklung anbietet scheint interessant zu sein um die Absprungrate beim Gang zur Kasse zu dämpfen. Der Kunde freut sich. Der Händler freut sich.
Das Prinzip der vielen kleinen die sich zu einem großen formieren
Wenn man Amazon betrachtet, dann kann man viele strategische Gemeinsamkeiten zu einer Genossenschaft erkennen. Der Erfolg von Amazon basiert nicht in erster Linie auf eigener Größe. Sondern darauf, dass viele kleine Händler ihr Spezialwissen bzw. ihre Spezial-Sortimente einbringen und somit einen flexiblen Riesen erschaffen, der so als Einzelunternehmen kaum zu managen wäre. Es ist eine Riese, dessen Angebot sich ständig selbst neu erfindet. Es ist die Intelligenz der vielen tausend Einzelunternehmen.
Markt-Kennzahlen verschenken?
Doch sollte man als Händler beachten, dass Amazon kein Finanzdienstleister ist, wie z.B. Kredikartenfirmen, Banken, PayPal oder Google CheckOut. Sondern Amazon kann zum Konkurrenten werden. Und da liegt die Problematik für Händler. Amazon wird in der einschlägigen Fachpresse nachgesagt die Geschäftszahlen bestimmter Sortimente seiner Händler sehr genau zu prüfen. Um es provokant zu sagen: Jeder Verkauf der über Amazon abgewickelt wird ist faktisch eine kostenlose Marktstudie zur Entwicklung eigener Sortimente für Amazon. Amazon weiß im besten Fall nicht nur, welche Artikel in welchen Produktgruppen sich gut verkaufen, sondern auch welche Modelle zu welchem Preis wie oft.... Was soll Amazon daran hindern in lukrative Sortimente einzusteigen, wenn anhand der Kennzahlen verschiedener Händler sich hier und da eine positive Entwicklung abzeichnet.
Um es auf den Punkt zu bringen: jeder Händler liefert Amazon quasi frei Haus ein Geschäftsmodell. Amazon erhält risikofrei Marktprognosen die auf absolut belastbaren Kennzahlen beruhen. Die beste Marktanalyse der Welt - nämlich die der live Abverkäufe in einem schier grenzenlosen Testsortiment.
Daten-Analyse bzw. Data-Mining ist eines der wichtigsten Wirtschaftsgüter der Zukunft
Jeder muss selbst entscheiden ob er seine lebenswichtigen Informationen mit Amazon teilen möchte und die Vorteile des Amazon Check-Outs mitnimmt. Auch auf die Gefahr hin, dass Amazon seine lukrativsten und umsatzstärksten Geschäftsfelder eventuell in Eigenregie übernehmen könnte...
Tags: shop marketing keynote
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